als wir uns beim kaiser chiefs konzert letzten november den luxus des zuspaetkommens leisteten und so vom support act tribes nur noch die letzten zwei lieder hoerten, haette ich kaum gedacht, dass es sich ausgerechnet bei dieser band um das naechste grosse ding handeln wuerde. doch deren debutalbum 'baby' feiert der nme jetzt als 'not only an early contender for album of 2012 but a formidable salvo in the guitar rock fightback, packing the power punch of prime oasis, the pop preen of peak suede and the sweet serrations of ‘surfer rosa’'. zwar ist der nme schon aus ueberlebensgruenden darauf angewiesen, dass englische rockmusik endlich wieder ein thema wird, doch muss auch ich zugeben, dass mit tribes zum ersten mal seit laengerem wieder eine band von der insel frisch, eigenstaendig und kraftvoll klingt.
Sonntag, 15. Januar 2012
mein eintrag zum jahreswechsel 2011/12 ist aufgrund zeitmangels etwas kurz ausgefallen und somit habe ich auch vergessen zu betonen, wie grossartig die arabischen revolten in tunesien und aegypten vor einem jahr waren. denn waehrend fast schon alle welt an die unvereinbarkeit von orient und okzident bzw. islam und moderne zu glauben schien, zeigte sich hier wunderbar die wesensaehnlichkeit von arabischen und westlichen jugendlichen und welche bedeutung perspektiven, freiheiten und muendigkeit fuer beide besitzen. waehrend die revolutionen in nordafrika bereits wieder von den konservativen mehrheiten vereinnahmt werden, kommt mit 'kelti horra', dem debutalbum der 1982 geborenen tunesierin emel mathlouthi, nun so etwas wie ein offizieller soundtrack zum 'arabischen fruehling' zu uns. in ihren songs - allen voran der grossartige titelsong, der soviel bedeutet wie 'mein wort ist frei' - vermittelt mathlouthi noch einmal die themen, die anfang 2011 den aufstand der jugend befluegelten. musikalisch setzt die saengerin/songwriterin, die im booklet als vorbilder chikh imam, joan baez und vivaldi nennt, auf eine spannende mischung aus arabischen liedermacher-pop und elektronischen sounds.
Freitag, 13. Januar 2012
bob dylan gestern abend live bei den 'vh1 critics' choice movie awards' - auf einmal reisst die glitzerwelt der tv-gala auf und dann ist da diese dunkel-poetische, markerschuetternd intesive stimme:
Sonntag, 8. Januar 2012
mit insgesamt 75 dylan-covers begeht amnesty international auf der compilation 'chimes of freedom: the songs of bob dylan' derzeit seinen fuenfzigsten geburtstag. obwohl ich eigentlich der meinung bin, dass inzwischen die spannendsten dylan-coverversionen von bob dylan himself kommen, weckte die illustre teilnehmerliste der amnesty-compilation mein interesse. die ernuechterung folgte allerdings bald: mindestens 60 der 75 auf vier cds versammelten titel kann man sich getrost sparen. und doch gibt es auch einige highlights, die man nicht missen moechte: steve earles kraftvolle version von 'one more cup of coffee', ziggy marleys neuerfindung von 'blowing in the wind' als rasta-chant, angelique kidjos gelungene afrikanisierung von 'lay lady lay', k'naans poetisches 'with god on our side' und - fuer mich der hammer schlechthin - 'property of jesus' mit einer unglaublich intensiven sinead o'connor:
nachdem 'property of jesus' ein titel aus dylans beruechtigter 'born again'-phase ist, bekam ich lust, endlich auch einmal diese luecke in meiner dylan-expertise zu schliessen. und siehe da: so schlecht sind dylans christliche alben gar nicht. so gibt es etwa die pianoballade 'when he returns' auf 'slow train coming', das sanft fragende 'what can i do for you' auf 'saved', die song-hommage an 'lenny bruce' auf 'shot of love' sowie an gleicher stelle das sublime 'every grain of sand'. doch noch mehr als die durchaus vorhandene kuenstlerische qualitaet der alben beeindruckte mich die konsequenz, mit der sich die songwriter-ikone ab 1979 dem christlichen glauben - und noch dazu in einer recht fundamentalistischen auslegung - verschrieb. auch wenn ich mit den songtexten nicht immer einverstanden bin, ist somit fuer mich auch diese phase ein weiterer beleg fuer die einzigartigkeit von bob dylan.
Mittwoch, 4. Januar 2012
wie ich heute in der nzz lese, kandidiert youssou n'dour im februar fuer das amt des senegalesischen praesidenten. schon weil ich seit mittlerweile 20 jahren die platten und konzerte des saengers verfolge, finde ich diese nachricht spannend. zudem haette ich vor einigen jahren beinahe meine doktorarbeit ueber das verhaeltnis von popmusik und politik geschrieben. beispiele fuer in die politik gewechselte musiker gibt es inzwischen mehrere: midnight oil-frontmann peter garrett, australischer umwelt- und jetzt kultusminister; gilberto gil, brasilianischer kulturminister 2003-08; in haiti wurde fugees-star wyclef jean im vergangenen jahr nicht als praesidentschaftskandidat zugelassen, dafuer bekleidet das hoechste staatsamt nun sein saenger-kollege michel martelly. youssou n'dour druecke ich jedenfalls beide daumen - nicht nur, weil es fuer den erneut kandidierenden, 85-jaehrigen senegalesischen praesidenten und egomanen abdoulaye wade hoechste zeit ist, abzutreten. sondern auch, weil ich ueber die jahre durch die songtexte, konzertansagen und sonstigen aktivitaeten des saengers ein sehr positives bild ueber seine aufgeklaerte haltung gewonnen habe. und ein weltgewandter popstar, der in seinem land mit modernen akzenten fuer positiven wandel sorgt, waere doch mal ein spannendes rollenbild fuer den afrikanischen kontinent.
Samstag, 31. Dezember 2011
2011/2012 mit 2011 geht fuer mich ein ereignisreiches und bisweilen sogar turbulentes jahr zuende, aber auch eines, das besser nicht haette sein koennen. ich konnte bei der fitness zulegen, habe mich endlich zu einem beruflichen neuanfang getraut und vor allem bin ich als papa eines gesunden und froehlichen jungen supergluecklich. klar ist die zeit fuer die verschiedensten kulturellen zerstreuungen weniger geworden, doch will ich mich keineswegs beklagen und blicke auch auf ein durchaus hochklassiges musikjahr zurueck.
nach so viel positiven veraenderungen in 2011 sind meine wuensche fuer 2012 recht bescheiden: gerne kann alles so bleiben, wie es ist, lediglich einige feinjustierungen hier und da waeren noch ganz nett. gerade beruflich duerfte viel in meinen haenden liegen - mache ich alles richtig, koennte das naechste jahr richtig erfreulich werden. dann sind fuer 2012 bereits eine reihe sehr interessanter konzerte angekuendigt (siehe den konzertkalender), stehen einige vielversprechende musikalische talente in den startloechern und steht mit der fussball-em in polen/ukraine auch wieder ein unterhaltsames sportevent an. im prinzip duerfte einem guten 2012 also nichts im wege stehen und genau das moechte ich auch allen lesern diesen blogs wuenschen!
Freitag, 30. Dezember 2011
die 'ethiopiques'-serie mit reissues aethiopischer seventies-klassiker hat nicht nur der musik des landes unerwartete popularitaet verschafft, sondern auch weltweit eine grosse anzahl an 'ethiopiques'-beeinflussten retro-bands auf den plan gerufen. nachdem mich dieses phaenomen im maerz dazu bewegt hatte, ein eigenes 'new ethio jazz' online-mixtape zusammenzustellen, erhalte ich nun kompetente gesellschaft: francis falceto, kurator der 'ethiopiques'-serie hat mit 'noise & chill out - ethiopian groove worldwide' eine zwei cd umfassende bestandsaufnahme dieser 'neuen aethiopischen welle' zusammengestellt. neben vorreitern der szene wie arat kilo, akale wube und dub colossus hat falceto auch exotische acts wie die franzosen ukandanz, den kanadischen remixer snowflake oder den japaner yasuaki shimizu versammelt. dazu kommen junge, 'ethiopiques'-inspirierte aethiopische interpreten wie samuel yirga, jazzmaris und dereb the ambassador. zusammen mit francis falceto's kompetenten linernotes ergibt dies eine so hochklassige wie unterhaltsame compilation, die anschaulich vor augen fuehrt, dass aethiopische popmusik nicht nur eine tolle vergangenheit sondern auch noch eine glaenzende zukunft hat.
ein act, der sowohl auf meiner compilation wie auch auf 'noise & chill out' merkwuerdigerweise fehlt, ist badume's band. dabei zaehlt das kollektiv aus der bretagne zu den versiertesten auslaendischen interpreten aethiopischer musik. im unterschied zum gros der 'ethiopiques'-szene geht es den franzosen jedoch weder um eine reine retro-kunstmusik, noch um die radikale modernisierung des ethio-sounds. vielmehr hat sich badume's band unter anderem als backing band von musikerlegenden wie mahmed ahmoud und alemayehu eshete darauf spezialisiert, moderne aethiopische pop-musik so gut zu spielen, dass der unterschied zu einheimischen interpreten verschwimmt. auf ihrem aktuellen, mit der saengerin selamnesh zemene eingespielten album 'ale gena ethiopia' zeigt die band, wie toll aethiopische musik klingt, wenn diese von einer richtigen band dargeboten wird - und nicht wie in dem land heute zumeist ueblich, billig am computer produziert wurde. gelegentliche abstecher in richtung seventies-funk, wuestenblues und word-jazz runden das klangbild ab und verdeutlichen die klasse von badume's band.
Donnerstag, 22. Dezember 2011
tv-aufzeichnung 'heimatsound' spaetestens seit den charterfolgen des oesterreichers hubert von goisern mitte der neunziger jahre ist moderne pop-musik mit mundart-texten ein thema und wird regelmaessig unter labels wie 'alpenrock' oder 'volxmusik' als trend gefeiert. angesichts der neuen welle von mundart-acts wie claudia koreck und la brass banda hat sich der bayerische rundfunk dankenswerterweise entschlossen, dem trend mit der sendung 'heimatsound' ein eigenes fernsehformat zu geben. zur tv-aufzeichnung lud der sender nun in die allseits beliebte freiheiz-halle. als partner der laenderuebergreifenden koproduktion fungiert der orf und so durfte man sich neben dem br-mann sebastian winkler ueber die wiener sangeskuenstlerin birgit denk als ko-moderatorin freuen. die einstige ostbahn kurti-backgroundsaengerin sorgte mit ihrem bewaehrten schmaeh beim publikum fuer beste unterhaltung und fuehrte souveraen durch ein musikalisch hochkaraetiges programm: claudia koreck ueberzeugte mit natuerlichkeit und grosser intensitaet; georg ringsgwandl brachte mit praechtig eingespielter band seine sinistren geschichten ueber eine alles andere als heile heimat auf die buehne; 5/8erl in ehren boten schoen abgehangenen wiener soul (und die einzigartige lilli marschall aka miki liebermann an der gitarre); eine neuentdeckung fuer mich war der urwuechsig-naive chiemsee-rocker keller steff; lediglich die immergleiche blasmusik-masche von global kryner haette ich nicht unbedingt gebraucht. mit dem programm stimmte also alles, stellt sich nur die frage, ob der br sein selbstgestecktes ziel eines 'anti-musikantenstadls' fuer eine alpenlaendische 'anti-folk'-bewegung erreicht hat. hier waere weniger talkshow-geplauder in den musiker-gespraechen sowie mehr austausch der kuenstler untereinander (eine birgit denk, die nur moderiert und gar nicht singt, ist mehr als schade) wuenschenswert. doch wenn 'heimatsound' wie angedacht - und wuenschenswert - ein fester bestandteil im br-programm wird, sollte es ja noch genug platz fuer feinjustierungen geben. der ausstrahlungstermin fuer die erste ausgabe von 'heimatsound' ist freitag, 24. februar 2012
Montag, 19. Dezember 2011
ein unerwartet spaetes album-highlight liefert in diesen tagen der chicagoer mc common mit 'the dreamer/the believer' ab. neben dem weiterhin tadellosen flow des rappers besticht vor allem die produktion seines kumpels no i.d., die absolut zeitgemaess aber in ihrer sample-aesthetik auch gleichzeitig wunderbar old school ist. und commons sehr conscious gehaltene verse stellen sicher, dass das album auch bestens in die weihnachtszeit passt.
Sonntag, 18. Dezember 2011
xmas-sounds das laufende jahr hat sich auch in sachen weihnachtsplatten als kein schlechter jahrgang erwiesen. neben michel legrands schon erwaehntem 'noel! noel!! noel!!!' ist hier vor allem die grossartige emmy the great zu nennen, die zusammen mit ihrem freund tim wheeler (von den brit-grungern ash) das schoen schmalzige, froehlich indie-poppende 'this is christmas' aufgenommen hat. eine zweite unerwartete indie-paarung bilden editors-frontmann tom smith und der ehemalige razorlight-drummer und inzwischen auch solo erfolgreiche andy burrows. als smith & burrows haben sie das album 'funny looking angels' aufgenommen, das die editors-typische traurigkeit in angenehm getragenene weihnachtsmusik umwandelt. besinnlich gibt sich auch kate bush auf ihrem winter-album '50 words for snow': sieben lieder, alle ueber fuenf minuten und viel behagliche ein-igel-stimmung. auf christmas-rock setzen dagegen die garagenrock-veteranen grip weeds, die auf 'under the influence of christmas' bewaehrte hadern im angenehm 60s-toenendem soundgewand praesentieren.