mit christoph ransmayr hatte ich bisher noch nicht so viel glueck: seinen roman 'die letzte welt' legte ich vor einigen jahren trotz eigentlich superspannendem thema nach wenigen seiten beiseite. die vorab in der nzz erschienene erzaehlung 'das erloeschen einer stadt', die ebenso poetisch wie dramatisch von der begegnung des autors mit einem fatalen erdbeben in griechenland 1986 berichtet, ueberzeugte mich allerdings, es mit ransmayrs aktueller geschichtensammlung 'atlas eines aengstlichen mannes' zu probieren. und tatsaechlich war der einstieg furios: schicksal, alltagsphilosophie und eigenes erleben verschraenkten sich bereits in den ersten geschichten aufs vortrefflichste. doch dann kam es bei mir schnell zu ersten ermuedungserscheinungen: noch eine schicksalsbegegnung? noch ein exotischer schauort? das roch manchmal schon ziemlich nach globetrotter-eitelkeit. doch ich hielt durch und gelangte schliesslich zu dem entscheidenden aha-erlebnis, wie grossartig die geschichten aufs sparsamste erzaehlt sind, mit zielgenau gesetzten worten und einem effektvollen gespuer fuer atmosphaere. ob himalaya, suedsee oder niederoesterreich ist dabei nicht so wichtig, entscheidend ist dass ransmayr ein panoptikum des menschlichen in all seinen facetten gelungen ist, das durch die gekonnte literarische gestaltung noch einmal an wirkungskraft gewinnt.