mit der um einige veraltete wortwendungen bereinigten neuausgabe der 'kleinen hexe' von otfried preussler hat der thienemann-verlag nolens volens eine debatte eroeffnet, deren beitraege inzwischen von nervig bis niedlich reichen. da das ganze auch mich betrifft, moechte ich an dieser stelle meine meinung dazu kundtun:

das grundproblem ist meiner ansicht nach, dass sich eine abstrakte debatte entwickelt hat, wo es eigentlich um hoechst konkrete situationen gehen sollte. ich zum beispiel moechte nicht meinem sohn, dessen mutter aus aethiopien stammt, aus einem buch vorlesen, in dem das wort 'neger' vorkommt. einfach deshalb, weil es auch heute noch eine ganze menge menschen gibt, die dieses und andere worte durchaus in verletzender absicht einsetzen. niemand will seine kinder frueher als noetig zwingen, sich mit kraenkenden ausdrucks- und verhaltensweisen anderer auseinanderzusetzen - auch nicht bei der lektuere von im kleinbuergerlichen klima der 50er jahre entstandenen kinderbuechern. dieser simple sachverhalt sollte meiner meinung nach eigentlich fuer jedermann verstaendlich und naheliegend sein.

es stellt sich fuer mich daher die frage, warum so viele - sonst absolut vernuenftige und fortschrittliche - menschen gegen diese vermeintliche political correctness auf die barrikaden gehen (und dabei schoen brav die beanstandeten begriffe penetrieren). fuer mich handelt es sich hier um einen fall von wohlfuehl-reaktionismus: wir sind mit diesen buechern, mit diesen worten und mit menschen, die diese worte verwenden, aufgewachsen. die meisten sehen gerade ihre kindheit in einem idealisierten licht und wollen dieses bild auch nicht in frage gestellt sehen. in ihren augen tut die diskussion um verpoente vokabeln im werk von otfried preussler, astrid lindgren und anderen aber genau das. und dagegen wird nun zu felde gezogen und foren-fuellend diskutiert - falsch! leute: es geht hier um elemantare hoeflichkeit und um ein paar nicht weiter bedeutende aenderungen bei der neuausgabe alter buecher. und das war's dann auch. damit sollte man eigentlich leben koennen.